Heldin des Quartals: Israa Hegab

„Da ist doch viel mehr als das, was wir sehen und hören können“, betont Israa Hegab immer wieder. Das Entdecken dieser Zwischentöne möchte die passionierte Lehrerin Kindern ermöglichen – einst in SEKEM, heute in Karlsruhe.

Israa Hegab wurde in Ägypten geboren, verbrachte ihre Jugend jedoch in Kuweit. Mit 18 Jahren kehrte sie zurück in ihr Heimatland und absolvierte zunächst ein Studium im Bereich Administration und Buchhaltung. Den Beruf und ihre Berufung zur Lehrerin entdecke sie erst später für sich; dabei erkennt sie rückblickend bereits in ihrer Kindheit Begabungen für diese Arbeit. „Ich war die Älteste in unserer Familie und habe regelmäßig meine Geschwister sowie Cousins und Cousinen um mich versammelt und mit ihnen gelernt“, berichtet die junge Ägypterin. „Beschlagene Fensterscheiben in der Dunkelheit dienten mir dabei als Tafel“, erinnert sie sich. Erst in SEKEM entdeckte sie dieses Talent wieder. Nachdem sie einige Jahre als Sozialarbeiterin gearbeitet hatte, bewarb sie sich an der SEKEM-Schule für den Bereich Kunst und Informatik.

„In den drei Jahren, die ich in SEKEM gearbeitet habe, erlebte ich vieles, das mir in unterschiedlicher Hinsicht die Augen geöffnet hat“, so die 30-Jährige. „Die Gespräche mit Ibrahim Abouleish halfen mir bei meiner Identitätssuche. Und ich erkannte, dass wir Menschen mehr sind als ein intelligenter Körper, vielmehr ein Herz und eine Seele haben und Spiritualität erleben können.“

Ihr Wunsch, sich als Lehrerin ausbilden zu lassen, reifte während eines 8-wöchigen Praktikums in Indien. Sie bewarb sich an der Freien Hochschule Stuttgart und erhielt bald die Zulassung für den International Masters for Waldorf Teachers. „Das Studium war eine echte Bereicherung für mich. Nicht nur was die Pädagogik als solche betrifft, ich beschäftigte mich im Zuge meiner Masterarbeit auch viel mit den äußeren Einflüssen und der Geschichte Ägyptens. Und das half mir bei meiner eigenen Selbstfindung“, verrät sie. Israa entwickelte im Rahmen ihrer Abschlussarbeit ein Waldorf-Curriculum für ägyptische Schulen.

Die engagierte Lehrerin, die momentan an einer Waldorfschule in Karlsruhe als Englischlehrerin und Klassenlehrer-Helferin tätig ist, kann beobachten, wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Kinder in Ägypten und Deutschland sind: „Hier gibt es nicht nur im übertragenen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes Räume für die Kinder. Räume für Persönlichkeitsentfaltung, um sich unbelastet und frei entwickeln zu können, aber eben auch Zimmer, die bewusst zum Spielen und Kreativsein eingerichtet sind.“ In Ägypten hingegen werden die Kinder bereits früh mit dem Ernst des Erwachsenenlebens konfrontiert. „Was man ihnen aber dennoch nicht absprechen kann, ist Kreativität. Die ägyptischen Kinder haben aufgrund ihrer begrenzten Möglichkeiten eine großartige natürliche Kreativität, die sie sehr fröhlich macht“, weiß Israa.

Mit den SEKEM Freunden Deutschland hatte Israa Hegab bereits auf unterschiedliche Weise Kontakt. Gleich zu Beginn ihrer Studienzeit in Deutschland half sie beispielsweise beim „Aktionstag Städtepartnerschaft Stuttgart-Kairo“ aus sowie beim anschließenden Sommerfest von Vorstandsmitglied Waltraud Bandel. Und als sie auf der Suche nach einer Wohnung und einem Job war, kam sie sogar für mehre Monate bei einem weiteren Vorstandsmitglied, Magdy Abdallah, unter. „Nicht zuletzt durch solche Erfahrungen habe ich das Gefühl, mittlerweile mich selbst und eine Art Heimat gefunden zu haben“, sagt Israa, die sich lange heimatlos und ohne Bestimmung fühlte. „Auch wenn es mir nicht immer leichtfällt, weiß ich heute, dass ich für den Beruf mit Kindern gemacht bin“, freut sie sich. „Insbesondere um ihnen neben logischem Lernen zu zeigen, dass es noch viele andere Seelenqualitäten gibt, die es wert sind, entdeckt zu werden.“

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