Samenkorn-Übung aus der SEKEM-Schule in der Wüste

Wie seit über 40 Jahren in SEKEM, soll auch in Wahat und an der dortigen neuen Schule eine nachhaltige Lebensgrundlage geschaffen werden, und eine Atmosphäre, in der sich Potentiale entfalten können. Bei der Begrünung von Wüste braucht es ein sensibles Bewusstsein für die Verbindung von Menschen und Natur. Den Kindern wird dies von Anfang an mit auf den Weg gegeben, zum Beispiel über die Samenkorn-Übung.

Um die Wüste zum Blühen zu bringen, braucht es viele Samen. Und auch in jedem Kind schlummert ein Samen, der zum Blühen gebracht werden soll. Die Kinder halten ein kleines Samenkorn, festumschlossen in den Händen vor dem Herzen. Hier wird intensiv in das Potential dieses Samen hineinspüren; es wird gespürt, dass in diesem winzigen Körnchen starke Kräfte stecken. Denn aus dem Samen wird ein Pflänzchen, das immer weiterwächst, bis es eines Tages ein Baum ist. Jeder noch so großer Baum ist aus einem kleinen Samenkorn erwachsen. Die Kinder legen das Samenkorn vor sich auf die Erde. Wir betasten die Erde mit unseren Händen und spüren den Untergrund, als feste Grundlage, in der unser Samenkorn nun ruht. Dort in der Erde (in der Wüste im Sand) wirken die Lebenskräfte auf das Körnchen: Das Wasser, die Luft und die Wärme bringen es zum Blühen. Wir richten uns auf und wachsen mit unseren Armen dem Himmel entgegen. Die Wurzeln des Baumes, also unsere Füße bleiben fest auf der Erde, während die Zweige, also unsere Arme, sich leicht im Wind hin und her bewegen. Wir nehmen die Kraft der Sonne auf und es reifen Früchte an den Zweigen, die dann wieder zur Erde hinabfallen. Hier beginnt der Zyklus von Neuem. Die Kinder konzentrieren sich also zunächst auf ihr Inneres, beugen sich zur Erde und strecken sich dann weit nach oben aus. Diese Ab- und Aufwärtsbewegung vom Herzen ausgehend verbindet sie mit ihrer Umgebung und schafft Bewusstsein für die Kreisläufe und Kräfte der Natur.

Wir verbinden diese Übung mit einem Zitat aus dem Koran: „Ein gutes Wort ist wie ein guter Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen“ (Sure 14, Vers 24). In SEKEMs ganzheitlichem Ansatz wird das „gute Wort“ mit dem Bereich der Kultur und Bildung in Zusammenhang gebracht. Auch in der neuen Schule und auf der Wüstenfarm im Allgemeinen, soll stehts die Verbindung von Natur und Mensch im Zentrum stehen. Dazu tragen solche Übungen in der Schule bei.

Von Shaimaa Khattab, seit 16 Jahren Lehrerin an den SEKEM-Schulen für Sport und Eurythmie

 

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