Zum 80. Geburtstag von Dr. Roland Schaette: Ein Nachruf

Roland Schaette war authentisch. Er vereinte vieles in einer Person, was oft schwer vereinbar scheint. So hatte er einen großen intellektuellen Geist und war bodenständig zugleich. Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften lagen ihm ähnlich nahe wie die Naturwissenschaft. Er war spirituell tief verankert und stand dabei mit beiden Beinen fest im Leben. Das Verständnis und Wirken anthroposophischer Ansätze in der Welt waren ihm ernste und bedeutsame Anliegen.

Am 26. Mai 1942 in München geboren, wuchs Roland Schaette mit einer Schwester und einem Bruder auf. Im väterlichen Garten entdeckte der junge Roland früh sein Interesse für Pflanzen. Er nahm mit Begeisterung die unterschiedlichen Prozesse in der Natur wahr und erkannte sie als eine komplexe Welt voller Wunder. Besonders die Heilpflanzen hatten es ihm angetan und so entschied er sich nach dem Abitur für das Studium des Apothekers, das er mit der Promotion abschloss. Die Studienzeit führte ihn aber nicht nur zu seiner Berufung als ganzheitlich denkender Pharmazeut, sondern auch zu seinem privaten Glück. Er lerne Ute Broser kennen, die er bald heiratete. Gemeinsam reiste das Ehepaar Schaette fortan durch die Welt, stets mit der Mission, die unterschiedlichen Kräfte der Natur und Zusammenhänge der Pflanzenwelt zu studieren. 

Die deutsche Heimat war in der Zwischenzeit das bayerische Städtchen Bad Waldsee geworden, wo Roland Schaette in der Firma seines Vaters für natürliche Tierheilmittel Dr. Schaette zunächst in der Abteilung für Herstellung und Einkauf tätig war. Hier gestaltete der spätere Geschäftsführer die Firmenphilosophie prägend mit. Es war ihm ein Anliegen, Raum für Kultur und geistige Entwicklung zu schaffen. Bis heute finden beispielsweise die sogenannten Mittwochsfrühstücke statt, bei denen alle Mitarbeitenden zu Interkation und Diskussion zusammenkommen. Roland Schaette wurde als großzügiger und geduldiger Vorgesetzter geschätzt, der auf Vertrauen anstatt auf Kontrolle setzte. Aber er nahm auch kein Blatt vor den Mund. Wenn ihm etwas nicht passte oder er etwas für nicht sinnvoll hielt, brachte er dies deutlich auf den Punkt. Dabei blieb er aber stets warmherzig und offen für neue Impulse und Versuche. 

Besonders die ganzheitlich orientierte Wissenschaftsmethode des Goetheanismus interessierte und begeisterte Roland Schaette ein Leben lang. Er erkannte in den Prozessen der Pflanzenwelt und im Tierreich einen Heilschatz für den Menschen. So sagte er einmal: „Es geht mir vor allem darum, den Goetheanismus an die Menschheit als Ganzes heranzubringen!“ Ende der 1970er Jahre hörte der begeisterte Pharmazeut von einem anderen Pharmazeuten, der ebenfalls von Goethe angetrieben Heilpflanzen in der Wüste Ägyptens anbauen wollte. Schnell entwickelte sich nach dem ersten Zusammentreffen von Ibrahim Abouleish, dem Gründer SEKEM Initiative, und „Rolo“, wie ihn der Ägypter nannte, eine tiefe Freundschaft, gar Seelenverwandtschaft, wie es beide wiederholt zum Ausdruck brachten. Roland Schaette gestaltete den Aufbau der Initiative für nachhaltige Entwicklung prägend mit. Er gründete mit seinem Freund Ibrahim sogar das Unternehmen Atos Pharma für pflanzliche Arzneimittel in Ägypten. Über hundert Reisen unternahm er im Laufe seines Lebens in die ägyptische Wüste und gestaltete auch von Deutschland aus unermüdlich mit. Der Kultur-Impuls hatte es ihm besonders angetan und so setze er sich vor allem für die Bildungseinrichtungen und sozialen Aktivitäten der SEKEM-Gemeinschaft ein. Zunächst als Freund, später im offiziellen Amt als Vorstandsvorsitzender des deutschen Fördervereins der SEKEM-Freunde. Roland Schaette war seit Anfang der 80er-Jahre ein treuer und durch und durch wohlwollender Freund SEKEMs, der nicht nur mit Willenskraft unzähliges gestaltete, sondern auch wichtige geistige Impulse gab. So erinnert sich der heutige Geschäftsführer Helmy Abouleish an ihn als „geistigen Bruder“, ohne den es die mittlerweile vielseitig ausgezeichnete und als Leuchtturm für nachhaltige Entwicklung bekannte SEKEM Initiative nicht geben würde. 

So hat Roland Schaette etliche Spuren in dieser Welt hinterlassen und es geschafft, die nachfolgende Generation nicht einfach nur in seine eigenen Fußabdrücke zu führen, sondern vielmehr in die Ideen hinein, um von dort aus eigene Schritte zu gehen und zu gestalten. 

Am 21. März verstarb Roland Schaette in Bad Waldsee im Krankenhaus, nachdem er 2021 an einer Knochenmarksschädigung erkrankt war.